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 Betreff des Beitrags: Das “Säckchen” - Geschichte vom Zöllner
BeitragVerfasst: Di 10. Mär 2009, 21:32 
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Registriert: So 8. Mär 2009, 21:24
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Bibelstory für Kids

Das “Säckchen”

nach Lk 19, 1-10


(„Zach“ spricht sich englisch aus „Säk“)

Es gibt eine Stadt in Israel, die heißt Jericho. Sie ist uralt und dort in Jericho stand einmal ein riesiges Haus, das größte der Stadt. Obwohl dieses Haus so groß war und eine quietschende Eingangstür hatte, so wohnte doch in ihm der einsamste Mann der Stadt. Zach hieß er. Er war schon als Kind eine kleine, zierliche Person und auch etwas pummelig. Seine Mitschüler nannten ihn „Säckchen“, wegen seines Namens und seiner Größe. Er wurde von ihnen oft gehänselt. Manchmal fühlte er sich so verletzt, daß er heulte bis er rot anlief. Dann riefen sie ihm zu: Zeig doch mal grün. Dieses Wortspiel konnte natürlich niemand verstehen, weil es ja damals noch keine Ampeln gab.

Bild

Zach hätte sich gerne mit den anderen Jungen angefreundet. War er mit einem Mitschüler allein, so benahm dieser sich nicht eklig. Sobald aber mehrere Mitschüler da waren, fing das leidige Quälen an. Warum sie ihn kränkten, verstand Zach nicht . War es, weil er schneller und besser rechnen konnte als die anderen? War es, weil er so klein war? Oder vielleicht weil er rot anlief, wenn sie ihn hänselten und demütigten. Der schlimmste Schikaneur war Ben Gideon. Er hatte zwar schöne, graue Augen, aber bei näherer Betrachtung war sein Blick eiskalt. Eines Tages hatte Zach Verwandte besucht, die etwas außerhalb der Stadt wohnten. Der Weg zurück führte an einer Müllkippe vorbei. Plötzlich stand er Ben Gideon und dessen Freunden gegenüber. „Packt das Säckchen!“ rief Ben Gideon. Zach wollte fliehen, aber bevor er drei Schritte tun konnten, faßten sie ihn. Er machte sich fast in die Hose vor Angst. „Was macht man mit einem Sack?“ fragte Ben Gideon seine Freunde. „Ein Sack soll gefüllt werden!“ rief einer der Jungen. „Und dann?“ fragte Ben Gideon. „Dann schmeißt man ihn weg!“ Ben Gideon kam ganz nah und Kopf an Kopf sah er Zach in die Augen. Er genoß Zachs Angst und sagte: Zunächst füllen wir dich und dann schmeißen wir dich auf den Schutthaufen!
Während zwei Jungen Zach festhielten, sammelten die anderen Speisereste auf dem Müllberg. In einer kaputten Teetasse mischten sie Obstschalen und Küchenabfälle mit schmierigem Wasser aus der Pfütze zu einem ekligen Brei. Ben Gideon näherte sich Zach grinsend, den Becher in der rechten Hand. Zach versuchte sich loszureißen, aber vergebens. Die Jungen warfen ihn zu Boden und hielten ihn an Armen und Kopf fest. Ben Gideon setzte sich auf Zachs Brust und hielt ihm die Tasse an die Lippen. Zach preßte zunächst die Lippen zusammen, aber einer der Jungen hielt seine Nase zu. Zach lief rot an und mußte den Mund öffnen. Er fühlte den ekligen Brei in sich hineinfließen. Er mußte würgen und spie um sich. Den Rest des Breis rieben sie ihm ins Gesicht. Anschließend faßten die ihn an Armen und Beinen und schmissen ihn auf einen Müllberg. Lachend und grölend machten sie sich aus dem Staub. Tränen rannten Zach über sein Gesicht. Er verstand es nicht. Er hätte ihr Freund sein wollen. `Ich kriege euch schon noch´, schwor er sich, `eines Tages kriege ich dich Ben Gideon´ . An jenem Tag hatte Zach einen inneren Knacks bekommen, sein Leben hatte sich verändert, das Licht, die Freude war aus seinem Leben verschwunden.

Wir machen nun einen kleinen Sprung in der Zeit. Als Erwachsener gelang es Zach tatsächlich, sich an seinen früheren Quälern zu rächen. Wenn jemand gut im Rechnen ist, stehen ihm viele Möglichkeiten offen. Er kann zum Beispiel einen kaufmännischen Beruf wählen oder sich beim Finanzamt bewerben. Zach hatte sich für Letzteres entschieden. Das war in jener Zeit kein populärer Job. Finanzbeamte arbeiteten für die Römer. Diese hatten Israel besetzt. Das Steuergeld ging an den Kaiser in Rom. Davon finanzierte der die Armee und diese unterdrückte das Volk. Man kann sich vorstellen wie sehr Finanzbeamte, weil sie mit dem Feind zusammenarbeiteten, verhaßt waren. Das interessierte Zach aber nicht. Die früheren Mitschüler, die die ihn früher immer gequält hatten, mußten in seiner Kanzlei erscheinen, um ihre Steuern zu zahlen und ihn mit „Sie“ und „Herr Inspektor“ anreden. Zach wurde von römischen Soldaten bewacht. Es war ein herrliches Gefühl für ihn, wenn Ben Gideon schüchtern in seinem Büro erschien und das Geld vor ihm abzählte. Zach berechnete den Leuten mehr als ihm zukam. Den Römern war das egal, solange der Kaiser nur genügend Geld erhielt. Zwei Goldstücke für den Kaiser und eins für mich lautete seine Formel. Von Ben Gideon verlangte er aber mehr: Zwei für den Kaiser, vier für mich. Er hatte ein Kästchen auf seinem Schreibtisch stehen und sagte zu Ben Gideon : „Siehst du dieses Kästchen, weißt du wozu es dient“. „Nein, Herr Inspektor“, sagte Ben Gideon. „Um es zu füllen mit deinem Geld. Und wenn es voll ist, kommt ein noch größeres. Ich werde dich ausquetschen und werde auf deine Kosten reich werden.“
Und Zach wurde reich – verdammt reich. Nach einiger Zeit ließ er im Zentrum der Stadt ein sehr großes Haus bauen, ein weißes Haus mit Marmorstufen und schönen Säulen und einer roten Tür aus Mahagoniholz. Aber niemand betrat je sein Haus. Keiner wollte mit Zach, dem Handlanger der Römer, etwas zu tun haben.

Freunde hatte er nicht und so saß er nach Feierabend ganz allein am Fenster und guckte in die Stadt. Da gingen an seinem Haus zwei Männer – wohl Bettler - vorbei, die sich unterhielten. Zach belauschte ihr Gespräch: „Da muß ich hin, da muß ich unbedingt hin“, sagte der eine mit heiserer Stimme. „Diesen Mann, diesen Rabbi muß ich sehen.“ „Ich komme auch“, sagte die andere Stimme. „Er ist ein außergewöhnlicher Mensch. Du kannst dich noch so mies fühlen, wenn er dich anguckt hast du das Gefühl jemand zu sein, etwas wert zu sein, und du fühlst dich glücklich und geborgen – er ist der Freund aller Menschen.“ Zach kriegte solche Ohren und er faßte den Beschluß, diesen Mann muß auch ich kennenlernen. Da will ich hin. Er spitze die Ohren und erfuhr aus dem Gespräch wo man diesen Mann wohl finden könnte und daß er Jesus heiße.

Als er gegen drei Uhr beim Tor ankam, wimmelte es dort von Menschen. Wegen seiner kleinen Gestalt konnte er nichts sehen. Darf ich mal vorbei? Fragte er. Eine Frau wollte ihm Platz machen, doch als sie ihn erkannte, ließ sie ihn nicht vorbei. Auch andere weigerten sich ihn, den Römerfreund, durchzulassen.
Zach entschloß sich, der Menschenmenge vorauszulaufen. Dann konnte er einen guten Platz an der Straße suchen. Er hoffte nur, daß die Menschen ihn nachher nicht verdrängen würden. Am, Straßenrand entdeckte er einen wilden Feigenbaum. Die Straße war noch leer. Vom Baum aus könnte er alles übersehen und niemand würde ihn entdecken. Zach kletterte auf den Baum und verbarg sich zwischen den Zweigen.

Nicht lange danach kamen die ersten Menschen und dann sah er Jesu, den Mann, um den es ging. Er war von einer Menschenschar umgeben. Das muß er sein, das muß ein er sein dachte Zach bei sich. Er kam immer näher und unmittelbar unter dem Baum bliebt Jesus stehen und sprach zu den vielen Menschen. „Wenn ihr 100 Schafe hättet, was würdet ihr tun, wenn eins sich verirrt hätte?“ fragte er und er gab direkt die Antwort: „Ihr würdet die anderen 99 Schafe in den Bergen weiden lassen und hingehen, um das eine verlorene Schaf zu suchen. Und wenn ihr das verloren Schaf gefunden hättet, würdet ihr Freunde und Nachbarn zusammentrommeln und sagen: Hört her, mein Schaf hatte sich verirrt, aber ich habe es wiedergefunden. Seid ihr nicht mit mir froh, laßt und feiern und tanzen. So ist es auch mit dem Himmel. Gott freut sich, mehr über einen verirrten Menschen, der zu ihm zurückkehrt, als über 99 Menschen, die sich nie von Gott entfernt haben.“ Plötzlich hielt Jesus inne. Er schaute nach oben zu Zach und rief zu ihm: „Komm schnell vom Baum herab. Heute will ich dein Gast sein.“ Er stand mit geöffneten Armen unter dem Baum. Jeder blickte nach oben. Die Menschen stießen einander an. Sie bemerkten den Finanzbeamten und fingen an zu lachen. Sie wollten rufen: „Zeige Grün“, aber Zach zeigte nicht einmal Rot.

In der Stimme Jesu hatte Zach keinen Spott wahrgenommen. Die funkelnden Augen dieses Rabbis waren freundlich und seine Arme einladend. So überwand Zach sein Zögern. Fand dieser Mann ihn der Mühe wert und wollte er bei ihm einen Besuch machen? Kaum zu glauben. Zach ließ sich herabgleiten, sein Gesicht strahlte. Er empfing den Rabbi Jesus mit Freude in seinem Haus. Ganz Jericho war wütend. Wie konnte Rabbi Jesus sich in das Haus eines Landesverräters begeben, um mit ihm zu essen? Und dann noch bei diesem Zach, diesem Sack!

Zach wunderte sich im eigenen Haus. Noch nie hatte er Gäste gehabt. Das Eßzimmer war plötzlich voller Gemütlichkeit. Er fühlte sich als anderer Mensch. Danach hatte er sich sein Leben lang gesehnt. Innerhalb weniger Stunden verlor sein vieles Geld den Wert, den es lange Jahre für ihn gehabt hatte. Es hatte ihm nichts anderes gebracht als ein großes leeres Haus. Und während Zach Rabbi Jesus zuhörte, änderte sich manches in ihm. Plötzlich stand er auf und ergriff das Wort: meister, sagte er zu Rabbi Jesus. Die Hälfte meines Besitzes gebe ich den Armen. Und wenn ich jemandem zuviel Steuern abgeknöpft habe, dem gebe ich das Vierfache zurück.

Jesus blickte ihn an und sagte: Heute ist dein Haus gerettet. Jetzt bist du wirklich ein Sohn Israels. Ich bin gekommen, um verlorene Menschen zu suchen und zu retten.
Als Zach sich wieder gesetzt hatte, fühlte er sich überaus glücklich. Seine Augen sprühten vor Freude. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das Gefühl gemocht zuwerden, zu ersten Mal in seinem Leben war er wirklich glücklich.

Das war eine Geschichte aus der Bibel. „Zach“ (englisch ausgesprochen: „Säk“) ist die englische Abkürzung für Zachäus. Und dieser Zachäus war ein solcher Finanzbeamte der Römer – Zöllner nannte man sie damals.




Mögliche Fragen

  • Warum ist der Zachäus eigentlich Zöllner geworden?
  • Ist sein Verhalten nachvollziehbar?
  • Kennt ihr in der Schule Fälle wo Mitschüler gequält wurden?
  • Zach ist nun Zöllner und beutet aus Rache seine Mitmenschen aus. Aber ist er denn wirklich böse, oder wünscht er sich nur Anerkennung und Zuneigung?
  • Gibt es Verbrecher, die vielleicht nur böse und Verbrecher sind, weil sie den Menschen nicht mehr trauen und sich für das, was sie erlitten haben, rächen wollen?
  • Was kann man denn tun, wenn Schüler verprügelt werden?
  • Wenn am Anfang der Geschichte einige Mitschüler Nein gesagt hätten, wäre es möglicher Weise nicht alles so weit gekommen?
  • Weshalb macht ihm Jesus keine Vorwürfe?
  • Wird unsere Welt vielleicht besser, wenn wir manchmal „Nein“ sagen?


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